Klassisch wäre ja Vitello tonnato. Da es hier aber ganz selten Kalbfleisch gibt, habe ich es mit Poulet gemacht. Im Netz findet man viele Rezepte. Und das ist meine Variation:

Pollo Tonnato Bilder bei flickr

2 Pouletbrüstli, je ca.250 g (hier gibt es nur so grosse!)
2 dl Hühnerbouillon
1 dl Weisswein
2 Stängel Sellerie (oder anderes Gemüse wie Ruebli)
1 Zwiebel
Pfefferkörner
5 EL Kochsud*, beiseite stellen

Thon-Sauce
3 EL Mayonnaise**
1 TL Senf
1 Büchse Thon (200g), Oel abgelassen und etwas zerzupft
2-3 Sardellenfilets
5 EL Kochsud*
Kapern, Zwiebeln, Petersilie, Zitronenschnitze

Bouillon, Wein und Gemüse in einer hohen Pfanne aufkochen. Poulet beigeben,Hitze reduzieren, bei kleinster Hitze ca. 30 Minuten ziehen lassen. (Nach 15 Minuten Poulebrüstli wenden.) Pfanne von der Platte nehmen, Poulet im Sud auskühlen. Poulet herausnehmen, in ca. 3 mm dicke Tranchen schneiden, auf Platte oder direkt auf Teller auslegen.

Sauce: Alle Zutaten bis und mit Pfeffer mit dem Pürierstab mixen. Ueber das Poulet giessen und zugedeckt ca. eine Stunde kühl stellen.

Vor dem Servieren Kapern und Zwiebeln darauf verteilen.

**Schande über mich eigentlich sollte man die Sauce ja mit selbstgemachter Mayo machen!

Die Kapern und die Zwiebeln habe ich (vor lauter Hunger?) vergessen. Hat trotzdem geschmeckt.

Ueberigens bei Betty Bossi gibt es akutell gleich 2 Rezepte (pdf) auf der Website. Fladenbrot mit Pouletfüllung klingt sehr lecker.

Noch etwas zur Geschichte von Vitello tonnato:

Früher kochten die Bauern das Fleisch stundenlang weich,
bis es seine rosa Farbe verlor und grau, trocken und zäh wurde. Das
Fleisch dürfte auch schon nach knapp 60 Minuten gar sein, so dass es
innen noch rosa und zarter ist. Außerdem genügt es, wenn man die
Sauce erst kurz vor dem Servieren auf das Fleisch gibt.

Zur Geschichte des Gerichtes: Das ursprüngliche Rezept stammt aus
dem 18. bzw. 19. Jahrhundert und nannte sich damals “vitel tonne”.
Man verstand darunter allerdings keine Sauce aus Mayonnaise und
Thunfisch und auch kein gekochtes Kalbfleisch. Es handelte sich
vielmehr um ein Stück Fleisch, das zusammen mit eingesalzenen
Sardellen geschmort, dann in Scheiben geschnitten, mit seiner eigenen
Sauce bedeckt und mit Kapern garniert wurde. Nach Zubereitungsart und
Gestalt war das Gericht also viel näher mit dem Brasato verwandt und
dennoch weit von ihm entfernt, was den Geschmack anbelangte, der
natürlich stark von den eingesalzenen Sardellen bestimmt wurde. Ein
paar Leute aus der Gegend von Bonvicino kennen das Gericht noch so,
wie es ihre Großmütter zubereitet haben.

Der Begriff “tonne”, der heute mit Thunfisch in Zusammenhang gebracht
wird, könnte eher auf die französische Sprachtradition zurückgehen
(damals wurde in Piemont französisch gesprochen) und schlicht “mit
Sauce” bedeuten. Die Einführung von Mayonnaise und Thunfisch für
das heute gekochte und nicht mehr geschmorte Kalbfleisch ist viel
einfacher und schneller und dennoch authentisch: man kennt diese
Zubereitungsform in Piemont auch schon seit Anfang dieses
Jahrhunderts.
Quelle