Denke ich an Tomaten aus Spanien, fallen mir als erstes die Tomaten unter den Plastikzelten in Almeria ein. Die Zelte soll man sogar vom Mond aus sehen. In Spanien wachsen aber auch sonnenverwöhnte Tomaten, also ohne Plastikdach. In Badajoz zum Beispiel. Genau auf diese Tomatenfelder bin ich letztes Jahr im August von Maggi Deutschland eingeladen worden.

Tomaten aus Badajoz

Keine Angst ich bin dadurch nicht zum Tüten- und Dosenfutter-Fan geworden. Mich hat interessiert wie Tomaten professionell angebaut werden. Vor allem in meinen Breitengraden, weil da treten beim Anbau andere Probleme auf, als bei euch im hohen Norden. Ich sage nur Tuta absoluta (Tomatenminiermotte). Dieser Schädling ist der Grund, dass ich seit ein paar Jahren nur noch wenige bis gar keine Tomaten mehr ernten kann.

Was bedeutet Tomaten professionell anbauen?

In diesem Fall Anbau von grossen Mengen, so nachhaltig wie möglich. Genau das macht CONESA, einer der grössten Tomatenverarbeiter in der Gegend. Das 1976 gegründete Familienunternehmen verarbeitet aktuell 760’000 Tonnen Tomaten in Tomatenpüree, Tomatensauce und Tomatenpulver und beliefert weltweit Firmen unter anderem auch Maggi.

CONESA selbst baut keine Tomaten an, dazu hat sie 80 Tomatenbauern als Lieferanten unter Vertrag. Diese Bauern sind selber für den Anbau und die Qualität der Tomaten verantwortlich. Sie bekommen jedoch die Tomatensetzlinge von CONESA geliefert. CONESA zieht diese Setzlinge in eigenen Gewächshäusern aus Samen. Die Samen stammen aus China, scheinbar gibt es in Europa keine Samenlieferanten mehr.

Nachhaltiger Anbau dank Massnahmen-Katalog.

Wie bringt man nun aber die Bauern dazu, nachhaltig anzubauen. Vorschriften und Druck helfen da nicht. Es muss den Bauern aufgezeigt werden, dass sie durch einen nachhaltigen Anbau eine bessere Ernte erhalten und ausserdem Geld sparen können. Zusammen mit Maggi und der NGO Fundacion Global Nature hat nun CONESA Massnahmen für einen nachhaltigeren Anbau von Tomaten entwickelt. Sie konnten von den 80 Bauern 20 überzeugen bei dem Pilot-Projekt mitzumachen.

Die wichtigsten Punkte bei dem Projekt:

  • Verantwortungsvoller Einsatz von Wasser, Pestiziden und Düngemitteln
  • Anlegen von Blühstreifen und Echsenhügeln zum Erhalt von Biodiversität
  • Fruchtfolge für bessere Bodenqualität, denn der Boden ist das Kapital der Bauern

Badajoz ist die Hauptstadt der Provinz Badajoz in der Extremadura. Die Extremadura gehört zu den ärmeren autonomen Gemeinschaften Spaniens. Wer weiss, ob die Region noch ärmer wäre, hätte Franco nicht Bewässerungssysteme bauen lassen. Dieses inzwischen veraltete und nicht wirklich nachhaltige System haben die Landwirte teilweise heute noch im Einsatz.

Dank moderner Technik – kontrollierter Einsatz von Wasser, Pestiziden und Dünger.

Nicht bei den 20 Bauern, die bei dem Projekt mitmachen. Da kommt die neuste Bewässerungstechnologie in Einsatz. Unterirdische Schlauchbewässerung. Sonden, die die Feuchtigkeit der Erde messen und den Landwirten melden, wann die Pflanzen Wasser brauchen. So wird sicher gestellt, dass nur bewässert wird, wenn es nötig ist. Mit dem Düngen und Einsatz von Pestiziden dasselbe.

Tomatenbuch hält wichtige Eckdaten fest.

Die Bauern erhalten mit den Setzlingen von CONESA ein “Tomatenbuch”. In diesem Buch hat CONESA vermerkt, wann die Setzlinge angezogen wurden. Die Landwirte tragen dann jeweils ihre wichtigsten Eckdaten ein. Zum Beispiel wann die Setzlinge in die Erde kommen, wann gedüngt wird etc.. So sind alle wichtigen Schritte nachvollziehbar. Sokönnen im darauf folgenden Jahr, wenn nötig, Verbesserungen im Massnahmen-Katalog vorgenommen werden.

Tomatenfelder Badajoz

Angebaut werden hybrid Roma-Tomaten oder sogenannte Flaschentomaten. Durch ihr festes Fleisch und ihre dickere Haut sind sie besonders geeignet zum Einmachen und zum Ernten mit der Maschine. Es müssen also keine illegale Immigranten unter schlimmen Bedingungen ernten, wie in Almeria. In Badajoz braucht es gerade mal 3-4 Leute um ein Feld abzuernten. Was aber immer noch ein Knochenjob ist bei 40 C im Schatten!

Erntemaschine Tomatenfeld Badajoz

Die Tomaten werden geerntet sobald 90 % der Früchte reif sind. Länger kann nicht gewartet werden, denn bis die letzten Früchte reif sind, wären die ersten schon überreif.

Pflanzenreste werden als Dünger verwertet.

Die Erntemaschine sortiert Steine, Stiele, Blätter und die grünen Früchte aus und spuckt das Ganze gehäckselt hinten als Biodünger wieder aufs Feld.

Tomatenfelder Badajoz Bioduenger

Die Tomaten werden via Laufband von der Erntemaschine auf LKWs geladen und die fahren zur Fabrik. Dort wird die Ladung registriert und nach Krankheiten, Ungeziefer etc. geprüft. Eine Probe von jeder Ladung wird aufbewahrt, so dass bei allfälligen Problemen die Quelle schnell gefunden werden kann.

CONESA Tomatenverarbeitung

Über 70 % des Wassers wird recycelt.

Die Tomaten werden vorgewaschen bevor sie in der Fabrik verschwinden. CONESA braucht dafür wiederaufbereitetes Wasser, welches sie selbst recyceln.

In der Fabrik selbst sieht man nicht viel. Die Tomaten verschwinden in grosse Maschinen, wo sie zu Tomatensaucen, Tomatenpürees, Tomatenpasten und Tomatenpulver verarbeitet werden. Alles ohne Lebensmittelzusatzstoffe.

Tomten pur!

CONESA wendet zwei verschiedene Herstellungverfahren an – “Hot break” und “Cold break”. Beim “Hot Break” werden die Tomaten mit Hitze eingekocht beim “Cold Break” schonender mit weniger Hitze dafür mit Druck, so ähnlich wie wir es vom Dampfkochtopf her kennen. Der Unterschied bei den fertigen Produkten ist die Viskosität, welche selbstverständlich wie auch die Qualität bei jeder Charge im eigenen Labor geprüft wird.

CONESA Tomatenpulver

Auffallend auf dem Fabrikgelände ist der Turm, den man auch schon von weitem sieht. Dieser Turm ist kein Aussichtsturm. In diesem Turm wird das Tomatenpulver, welches unter anderem an Maggi geliefert wird, hergestellt. Dafür wird die zuvor eingekochte Tomatenpaste mit Druck und Hitze durch ein Sieb durch den Turm gejagt. Fertig ist das Tomatenpulver.

Hoch industrieller Prozess – trotzdem reines Naturprodukt.

Mein Fazit: Das Ganze ist ein hoch industrieller Prozess, der mit nur wenigen Mitarbeitern auskommt. CONESA produziert so hochwertige Naturprodukte, die ohne irgendwelche Zusätze auskommen. Über den Tomatenanbau habe ich einiges gelernt, nur das Umsetzen auf meinen eigenen Garten wird wohl etwas schwierg. Mal gucken, wie dieses Jahr meine Ernte ausfällt.

Vielen Dank an Maggi Deutschland für die Einladung und an CONESA für den freundlichen Empfang und offene Führung durch die Tomatenfelder und Fabrik.


Das sagen meine Blogger-Kollegen über die Tomatenfelder von Badajoz:

Sascha von Lecker muss es sein | Susanne von Pearl’s Harbor | Daniel von Gaumenthrill | Silvia von Filines Testblog